Wenn du leidest und die Diagnose immer Blasenentzündung nach GV kennst, ist das Verständnis für die biologischen Abläufe der erste Schritt zur Besserung. Viele Frauen denken, sie hätten sich beim Partner angesteckt, doch meistens sind es die eigenen Bakterien, die am falschen Ort landen. Die weibliche Harnröhre ist im Vergleich zur männlichen sehr kurz, nur etwa drei bis vier Zentimeter lang. Das bedeutet, dass Keime einen extrem kurzen Weg haben, um in die Blase zu gelangen. Während des Geschlechtsverkehrs entstehen mechanische Kräfte, die wie eine Pumpe wirken können. Bakterien, die natürlicherweise in der Nähe des Scheideneingangs oder des Afters leben, werden durch die Bewegung regelrecht in die Harnröhre geschoben. Das ist ein rein mechanischer Vorgang, der erst einmal nichts mit einer Infektion im klassischen Sinne zu tun hat. Es ist vielmehr ein Transport von Bakterien dorthin, wo sie eigentlich nicht hingehören.
In meiner Naturheilpraxis in Esslingen am Neckar erkläre ich meinen Patientinnen oft, dass die Blase eigentlich ein steriler Ort ist. Sobald dort Bakterien wie E. coli eintreffen, finden sie eine warme, feuchte Umgebung vor, in der sie sich rasant vermehren können. Wenn dann noch das Immunsystem durch Stress oder Müdigkeit geschwächt ist, hat die Abwehr keine Chance mehr. Viele Betroffene berichten mir, dass sie sich nach jedem Mal wie „vergiftet“ fühlen. Die Entzündung der Schleimhaut ist eine massive Stressreaktion des Körpers. Wenn dieser Vorgang wiederholt auftritt, wird das Gewebe immer empfindlicher. Es entsteht eine chronische Reizung, die dazu führt, dass die Blase schon bei kleinsten Mengen an Bakterien Alarm schlägt. Das Verständnis dieser mechanischen und biologischen Zusammenhänge hilft dir, die Schuldgefühle abzulegen. Dein Körper reagiert logisch auf eine Belastung, für die er momentan nicht die nötige Abwehrkraft besitzt. Wir arbeiten daran, diese Abwehrkraft wieder aufzubauen.